Bio-Äpfel aus Übersee – ökologisch?

Guter Apfel, böser Apfel?

Warum ein Bio-Apfel aus Übersee einem konventionellen Apfel vorzuziehen ist

Wenn in Europa der Frühling loslegt und es allerorts zu sprießen und zu blühen beginnt, ist die hiesige Apfelsaison längst vorbei. Europäische Äpfel gibt es jetzt nur noch aus dem Kühlhaus. Dafür werden nun in anderen Teilen der Welt knackig-frische Bio-Äpfel geerntet – in Argentinien oder Neuseeland beispielsweise. Nur, wie steht es mit der Nachhaltigkeit? Verbrauchen diese Äpfel nicht viele Ressourcen? Sie müssen schließlich erst nach Europa transportiert werden.

Gute Äpfel, böse Äpfel also? Die Wirklichkeit ist weitaus komplexer. Wir bei BioTropic lieben regionale Bio-Äpfel, solange sie Saison haben. Ist diese vorbei, schauen wir über unseren Tellerrand. Unsere Bio-Äpfel aus Argentinien und Neuseeland stammen aus erfahrenen Bio-Betrieben. Nach der Ernte werden die Früchte grundsätzlich mit Containerschiffen nach Europa transportiert. Diese Schiffe sind für den Welthandel ausgelegt, auf ihnen passen bis zu 15.000 Container. So fahren sie insgesamt nachhaltiger als wenn viele kleinere Schiffe den langen Transportweg übernehmen würden. Völlig ressourcenfeindlich dagegen ist der Transport mit dem Flugzeug. Diese Praxis unterstützen wir nicht.

Der Transport aus Argentinien dauert rund drei Wochen, das Schiff aus Neuseeland ist doppelt so lange unterwegs. Damit die Äpfel nicht überreif bei uns ankommen, werden sie während der Fahrt gekühlt.

Auch ein lokaler Apfel, aus Deutschland zum Beispiel, muss spätestens nach der Ernte im Oktober ins Kühlhaus. Erst im August des nächsten Jahres beginnt die neue Apfelsaison. Möchte man also diesen Lagerapfel bis dahin noch verzehren, würde er neun bis zehn Monate gekühlt gelagert – verbraucht dabei aber ebenfalls Ressourcen.

Neben der Ökobilanz ist auch zu bedenken, dass mit einer zu langen Lagerung die Nährstoffwerte des Apfels geringer werden. Wir stehen auf dem Standpunkt, dass ein gut schmeckender frischer Apfel mit einer positiven Ökobilanz einem mit hohem Energieaufwand gelagerten europäischem Apfel vorzuziehen ist. Vor allem aber: Wir leben nicht in einem Glashaus. Wenn wir mit dem biologischem Anbau etwas bewegen wollen, dann müssen wir ihn in allen Teilen der Erde fördern. Denn: Weltweit stammen noch nicht einmal zwei Prozent aller Nahrungsmittel aus ökologischem Anbau. (Quelle: Forschungsinstitut für biologischen Landbau – FiBL)

Grundsätzlich: Die Frage, ob denn Bio-Äpfel (oder vergleichbare heimische Produkte) ganzjährig verfügbar sein müssen, stellen wir uns regelmäßig. Allerdings beantworten unsere Kunden und die meisten Endverbraucher die Frage eindeutig mit einem „Ja“.

Zur Eingangsfrage „Sind Bio-Äpfel aus Übersee ökologisch“ gibt es inzwischen mehrere Studien – die bekannteste wohl die der Universität Gießen aus dem Jahr 2008. Darin wird festgestellt, dass die Ökobilanz für heimische und Überseeäpfel ab etwa April ausgeglichen ist. Mit jeder weiteren Woche sind die Importäpfel im Vorteil.

Text: Visnja Malesic, Sascha Suler
Bilder: BioTropic GmbH
Stand: April 2018

 

Hintergrund

Im März/April 2018 haben wir eine Anzeige im deutschen Biomagazin Schrot & Korn geschaltet.
Darin heißt es:

Anzeige BioTropic
Es gibt viele Regionen, aber nur eine Welt.
Wir lieben Bio-Äpfel aus Deutschland – solange es sie gibt.
Rund um den Globus werden Äpfel geerntet, wenn sie reif sind.
Ein frisch geernteter Bio-Apfel aus der Ferne ist uns lieber als ein konventioneller Apfel aus dem Kühlhaus.
Global denken. Lokal handeln.

Kommentar BioTropic: Wenn es gut gelagerte heimische BIO-Äpfel gibt, dann sind diese natürlich zu bevorzugen. Wo dies nicht der Fall ist, da sind heimische Äpfel aus konventionellem Anbau keine Alternative. Dies würde unseren Gedanken „Bio für eine (bessere) Welt“ ad absurdum führen. Denn: Die ökologische Landwirtschaft schont nachweislich Umwelt und Ressourcen.

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